Mehr als nur Worte

20. April 2026

Wir kommunizieren jeden Tag: In Gesprächen, Nachrichten oder sogar durch Schweigen. Und trotzdem kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Woran liegt das? Im Deutschunterricht haben wir uns mit verschiedenen Kommunikationsmodellen beschäftigt, die zeigen: Kommunikation ist viel komplexer, als wir denken.

Im Unterricht haben wir vor etwas längerer Zeit das Thema Kommunikation behandelt und uns dabei mit grundlegenden Begriffen sowie verschiedenen Kommunikationsmodellen auseinandergesetzt. Ziel war es, zu verstehen, wie Kommunikation funktioniert, warum sie oft scheitert und weshalb sie in ihrer Anwendung nicht immer ganz einfach ist.

Zunächst haben wir Kommunikation definiert als «Übermittlung von Informationen von einem Sender an einen Empfänger mithilfe von Zeichen». Dabei wurde deutlich, dass Kommunikation nicht nur aus Sprache besteht, sondern auch nonverbale und paraverbale Elemente umfasst, wie Gestik, Mimik oder Tonfall, die zudem eine hohe Wichtigkeit haben, wenn es um die Vermittlung der Botschaft geht. Diese Vielfalt zeigt, dass Kommunikation ein komplexer Prozess ist, der von vielen Faktoren beeinflusst wird oder beeinflusst werden kann.

Ein wichtiges Modell, das wir behandelt haben, ist das sogenannte Sender-Empfänger-Modell beziehungsweise das statische Kommunikationsmodell nach Claude Shannon. Dieses beschreibt Kommunikation als einen Prozess, bei dem eine Nachricht codiert, über einen Kanal übertragen und vom Empfänger wieder decodiert wird. Dabei können Störungen auftreten, die die Informationsweiterleitung beeinträchtigen, etwa Lärm oder Missverständnisse. Besonders zentral ist hierbei der Begriff der Redundanz, also dass Informationen mehrfach vermittelt werden, um Missverständnisse zu vermeiden.

Darüber hinaus haben wir uns mit komplexeren Modellen beschäftigt, insbesondere mit dem Organon-Modell von Karl Bühler. Dieses zeigt, dass sprachliche Äusserungen drei Funktionen erfüllen können: die Darstellung eines Sachverhalts, den Ausdruck innerer Zustände des Senders und einen Appell an den Empfänger. Aufbauend darauf haben wir das Kommunikationsquadrat von Friedmann Schulz von Thun kennengelernt, welches jede Nachricht in vier Ebenen unterteilt: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Theorie von Paul Watzlawick. Besonders zentral ist dabei sein erstes Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Das bedeutet, dass selbst Schweigen oder Nicht-Handeln eine Botschaft vermittelt, man kommuniziert also immer, egal ob mit Blicken oder mit der Körperhaltung. Zudem betont Watzlawick, dass jede Kommunikation sowohl einen Inhalts- als auch einen Beziehungsaspekt hat, wobei letzterer oft entscheidend ist. Denn die Beziehung die zwei sprechende Personen zusammen haben ist für die Auffassung einer Mitteilung zentral.

Insgesamt wurde im Unterricht deutlich, dass Kommunikation nicht einfach ein Austausch von Informationen ist, sondern ein vielschichtiger und komplexer Prozess, der stark von Kontext, Beziehung und Interpretation abhängt.

Basierend auf dem erarbeiteten Wissen der Kommunikation lässt sich dies jetzt auch auf den Alltag übertragen. Gute Kommunikation bedeutet heute nicht mehr nur, sprechen oder schreiben zu können, sondern auch zu wissen, wann, wie und über welchen Weg man etwas mitteilen sollte. Früher war es normal, dass Gespräche automatisch über einen persönlichen Weg, also face-to-face, stattfanden. Heute gibt es für Kommunikation oder Mitteilungen unzählige Möglichkeiten: Chats, Sprachnachrichten, Anrufe, E-Mails oder die sozialen Medien. Das macht Kommunikation einerseits einfacher, andererseits aber auch komplizierter. Man muss heute viel bewusster entscheiden, welche Form in welcher Situation passend ist und wie Nachrichten ohne para- und nonverbale Signale verfasst werden sollten.

Ein gutes Beispiel dafür sind Konflikte. Wenn zwei Personen Streit haben oder sich uneinig sind, ist eine kurze Nachricht im Chat oft keine gute Lösung, denn geschriebene Worte wirken schnell kälter oder härter, als sie eigentlich gemeint sind. Dadurch entstehen sehr leicht Missverständnisse. Ein persönliches Gespräch oder zumindest ein Telefonat wäre in solchen Momenten meistens sinnvoller. Trotzdem greifen viele zuerst zum Handy und schreiben eine Textnachricht, weil es schneller und einfacher geht. Zudem muss man sich in dieser Situation nicht direkt mit der Meinung der anderen Person befassen, sondern kann zuerst seine Meinung kundtun. Es ist also einfacher, sich nicht mit der Sichtweise des Gegenübers auseinandersetzen zu müssen. Dadurch kann man sagen, dass Menschen trotz der vielen verfügbaren Kommunikationsmittel in gewisser Weise «kommunikationsfaul» geworden sind.

Dazu kommt, dass man heute fast ständig erreichbar ist. Mit dieser ständigen Erreichbarkeit kommt aber auch das Gefühl, sofort antworten zu müssen. Wird eine Nachricht länger offen oder unbeantwortet gelassen, wird das schnell negativ aufgenommen. Man wirkt dann unhöflich, desinteressiert oder absichtlich distanziert. Dadurch entsteht Druck. Kommunikation fühlt sich dann nicht mehr wie ein normaler Austausch an, sondern eher wie eine Verpflichtung. Meiner Meinung nach ist das eine problematische Entwicklung, die auch der Grund für das schleichende Desinteresse an Kommunikation sein könnte. Wichtig ist: Nur weil man erreichbar ist, heisst das nicht, dass man jederzeit verfügbar sein muss.

Auch soziale Medien haben die Kommunikation stark verändert. Gleichzeitig wird oft mit vielen Menschen gesprochen, statt nur mit einer einzelnen Person. Wird ein Beitrag auf Instagram, TikTok oder anderen Plattformen gepostet, so richtet sich dieser an Freunde, Familie, Bekannte und manchmal auch an völlig Fremde. Deshalb steht nicht mehr der Gedanke im Vordergrund, was man sagen möchte, sondern wie man wirkt. Die Kommunikation dient also nicht mehr der Mitteilung, sondern der Selbstdarstellung. Das kann Folgen haben. Oft zeigen Menschen online vor allem schöne Momente, Erfolge oder ein scheinbar perfektes Leben. Alltagsmomente oder Probleme wie Unsicherheiten, Langeweile oder missglückte Versuche im Job bleiben unsichtbar. Wer solche Inhalte ständig sieht, beginnt sich schnell mit den anderen zu vergleichen. Man sieht das perfekte und fehlerfreie Leben der anderen, die glücklicher, erfolgreicher und beliebter wirken. Dabei entspricht das gezeigte Bild oft nur einem kleinen Ausschnitt der Realität oder ist sogar ganz fake.

Dennoch bringt moderne Kommunikation natürlich auch viele Vorteile mit sich. Kontakt ist sogar über grosse Entfernung möglich, schnell lassen sich Informationen austauschen und Hilfe kann unkompliziert organisiert werden. Freundschaften lassen sich leichter pflegen, und Zusammenarbeit funktioniert oft einfacher als früher.

Die wichtigste Fähigkeit heute ist nicht einfach nur das Reden. Die wichtigste Fähigkeit ist, kommunizieren zu können. Man sollte erkennen, wann eine Nachricht reicht, wann ein Anruf besser wäre und wann man ein persönliches Gespräch suchen sollte. Das Wissen über Kommunikation sowie die Beherrschung derselben sind daher aus meiner Sicht heute noch elementarer als früher. Zudem ist Kommunikation eine Fähigkeit, die man ein Leben lang weiterentwickelt und ständig dazulernt.

Abbildung 1: Die Schwierigkeit der Kommunikation.